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Natürlich halten sich unsere Programmabläufe, unsere versierten Guides und höhenerfahrenen Bergführer so genau wie möglich an die "Goldenen Regeln der Höhentaktik". Dass Ihre Höhentour genussvoll und möglichst beschwerdefrei verläuft, hängt aber auch sehr von Ihrem eigenen Verhalten ab. Wer schneller geht als ein Ochse, der ist ein Ochse!

Anpassung des Organismus

Der menschliche Organismus besitzt eine erstaunliche Fähigkeit, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. So steigt die Anzahl der Erythrozyten (rote Blutkörperchen), also der den Sauerstoff transportierenden Blutteilchen, in einer Höhe von 4 500 m bereits nach 2 Tagen um ca.10% an. Nach ca. 10 Tagen Aufenthalt ist die "Schnelle Anpassungsphase" für die Steigung der Erythrozytenzahl bereits abgeschlossen.

Akklimatisationstaktik

Für das Vorhaben, größere Höhen aufzusuchen, gelten die folgenden Grundregeln, die unbedingt eingehalten werden müssen, um gefährliche bzw. lebensgefährliche Situationen zu vermeiden:

  • NICHT zu schnell aufsteigen  (Dabei herrscht allerdings in der Wissenschaft keine verbindliche Norm, was das konkret bedeutet. Aber mit 300 bis maximal 500 Höhenmetern pro Tag liegt man sicherlich auf der sicheren Seite. )

  • KEINE Anstrengungen während der Anpassungsphase. 

  • So tief wie möglich schlafen, also abends möglichst ein Stück absteigen. Es kann sehr sinnvoll sein, in ca. 3 000 m für einige Tage eine Ruhepause einzulegen. 

  • Ausreichend Trinken. Auch über den Durst hinaus. Absolutes Alkoholverbot 

  • Infektionen und andere Erkrankungen vorher auskurieren. Keine Medikamente einnehmen, auch keine Schlafmittel. 

  • Kohlenhydrathaltige Nahrung, da diese weniger Sauerstoff verbrauchen als Fette und Eiweiße. 

  • Warme Kleidung

Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass das Risiko, an der Höhenkrankheit zu erkranken unabhängig vom Alter - ausgenommen Kleinkinder mit einem erhöhten Risiko - oder dem Trainingszustand (Sportler, Nichtsportler) ist. Auch Raucher haben erstaunlicherweise kein höheres Risiko als Nichtraucher.

Symptome

Wie erwähnt, ist ab einer Höhe von ca. 2 000 m mit den ersten Anzeichen der Höhenkrankheit zu rechnen. Dabei lassen sich die Symptome in drei Stufen unterteilen. Es ist unbedingt zu beachten, dass schwere Formen der Höhenkrankheit ohne Hilfe und/oder das Verbringen in geringere Höhen, bzw. ohne die Gabe von Sauerstoff sehr schnell zum Tod führen können. Dabei ist es bedenkenswert, dass von den in Nepal bekannt gewordenen Todesfällen aufgrund der Höhenkrankheit etwa 80 % in organisierten Reisegruppen vorkamen, obwohl insgesamt nur ca. 40 % der Nepaltrekker sich in einer solchen Reisegruppe befanden. Diese Zahl ist möglicherweise mit dem Druck einer Gruppe und der Angst als Versager dazustehen, zu erklären.

Leichte Symptome

Kopfschmerzen, Übelkeit, Allgemeines Unwohlsein, Leistungsabfall, Puls um mehr als 20 % beschleunigt

Reaktion bzw. Hilfe bei leichten Symptomen:

  • Den weiteren Aufstieg abbrechen und, falls möglich, eine Rast einlegen
  • Ansonsten zum nächsten Rastplatz absteigen
  • Nachtruhe abwarten
  • Eventuell medikamentöse Behandlung der Kopfschmerzen mit Azetazolamid
  • Sauerstoffgabe

Sollten die Symptome nach einer Nacht abgeklungen sein, kann ein langsamer weiterer Aufstieg riskiert bzw. vorgenommen werden.

Schwere Symptome

Schwere, dauerhafte Kopfschmerzen, schwere Übelkeit und Erbrechen, starker Leistungsabfall , völlige Antriebslosigkeit, Atemnot und Herzrasen, auch in Ruhe nächtliche Schlaflosigkeit, trockener, teilweise starker Husten, Schwindelgefühle mit Gangunsicherheit, dunkler Urin mit weniger als 500 ml pro Tag. Die betroffene Person ist als schwer krank anzusehen. Ohne Maßnahmen ist sogar mit dem Tod zu rechnen.

Hilfe bei schweren Symptomen:

  • sofortige Gabe von Sauerstoff
  • Abstieg um mindestens 1 000 Höhenmeter; auch bei Nacht
  • Falls vorhanden, Beatmung mit Sauerstoff und Verbringen in einem speziellen Überdrucksack (hyperbare Kammer), in dem mit Hilfe einer Handpumpe ein Überdruck erzeugt werden kann.

Schwerste Symptome

Schwerste Kopfschmerzen, völliger Leistungsabfall, Verwirrtheit, schwerer, ständiger Husten, Herzrasen, keine Urinausscheidung

Reaktion bzw. Hilfe bei schwersten Symptomen:

  • Es besteht akute Lebensgefahr!
  • Der betroffenen Person muss unbedingt geholfen werden. Sofortiges Verbringen in niedrigere Höhe, am Besten um mindestens 1 000 m, aber auch bereits einige 100 m können zumindest lindernd wirken.
  • Zusätzlich, oder sofern ein Abtransport nicht möglich ist, Sauerstoffbeatmung. Und falls vorhanden, Verbringen in eine hyperbare Kammer.

Sollte ein Arzt zur Stelle sein, so kann zur Verbesserung der Sauerstoffbilanz z.B. Nifedipin verabreicht werden. Zur Behandlung von Hirn- und/oder Lungenödemen kann Dexamethason, wie z.B. Fortecortin verabreicht werden.

Vorsicht: Höhenbedingte Beschwerden werden sehr häufig ignoriert oder verheimlicht! Rede darum DIREKT mit unserem Bergführer !

Man muss sich deshalb vom ersten Höhentag an ständig gegenseitig beobachten. Dabei soll man Folgendes beachten:

  • Ändert sich die Stimmungslage eines Tourengefährten?
  • Rastet jemand plötzlich auffallend oft?
  • Fällt auf, dass jemand beim Rasten oder im Lager ungewohnt still und teilnahmslos wirkt?
  • Beobachtet man einen plötzlichen Leistungsabfall oder eine Trittunsicherheit?

Ursachen der Höhenkrankheit

Man unterscheidet im Prinzip vier Zonen, in denen es aufgrund des Sauerstoffmangels zu unterschiedlichen Reaktionen des Organismus kommen kann. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese Bereiche als Mittelwerte anzusehen sind.                   I

Indifferenzzone

In dem Bereich von Meereshöhe, also der Höhe 0 m, bis etwa 2 000 m Höhe werden die physischen und psychischen Funktionen des Menschen praktisch nicht beeinflusst. Sportliche und andere körperliche Höchstleistungen (Arbeit) sind daher nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt.

Zone der vollständigen Kompensation

Dieser Bereich reicht von etwa 2 000 m Höhe bis etwa 4 000 m. Der erniedrigte Luftdruck mit dem verminderten Sauerstoffangebot führt bereits ohne körperliche Anstrengungen, also in Ruhe, zu einer Erhöhung von Herzfrequenz, Atemzeitvolumen, sowie vom Herzzeitvolumen. Außerdem vergrößert sich durch die zusätzliche Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) die Blutdichte. Bei Belastungen nehmen diese Werte deutlich mehr zu, als das auf Meereshöhe der Fall wäre. Die physische und psychische Leistungsfähigkeit ist deutlich reduziert.

Zone der unvollständigen Kompensation

Dieser Bereich erstreckt sich von einer Höhe von ca. 4 000 m bis zu ca. 7 000 m. In dieser Zone ist ohne Akklimatisation mit erheblichen Störungen, bis hin zu Bewusstlosigkeit und Tod zu rechnen. Die physische und psychische Leistungsfähigkeit ist erheblich reduziert. Auch die Entscheidungs- und Reaktionsfähigkeiten nehmen teilweise erheblich ab. Alle unter Symptome genannten Reaktionen können in diesem Bereich auftreten.

Kritische Zone

Dieser Bereich beginnt etwa in einer Höhe von 7 000 m. In Bergsteigerkreisen wird auch von der Todeszone gesprochen. Ab 7 000 m Höhe wird in der Lunge, also in den Lungenbläschen, der kritische Sauerstoffpartialdruck von 30-35 mm Hg unterschritten. Unterhalb dieses Wertes ist kein ausreichender Gasaustausch (Diffusion) von der Lunge ins Blut und vom Blut in die Zellen mehr möglich. Dabei treten in der Regel in dieser Höhe sehr rasch die unter Symptome dargestellten lebensbedrohlichen Reaktionen ein. Ohne die Zufuhr von Sauerstoff oder den raschen Transport in eine niedrigere Höhe ist in der Regel mit dem Tod zu rechnen. Wie sehr aber derartige Reaktionen von individuellen Besonderheiten abhängen, zeigt das Beispiel des Südtiroler Bergsteigers Reinhold Messner, der als erste ohne zusätzlichen Sauerstoff den Mount Everest (8 848 m) bestieg.