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Höhenkrankheit
Intro :
'After every step we huddle over our axes, mouth agape, struggling for sufficient breath to keep our muscles going. I have the feeling I am about to burst apart. As we get higher, it becomes necessary to lie down to recover our breath. At a height of 8800 meters we can no longer keep on our feet while we rest. We crumpled to our knees, clutching our axes. Breathing becomes such a strenuous business that we scarcely have strength left to go on. Every ten or fifteen steps we collapse into the snow to rest, then crawl on again.' RUDOLF MESSNER, 1978, Mt Everest
Unter der Höhenkrankheit versteht man alle Folgen, Symptome und Beschwerden, die aufgrund des in größeren Höhen bestehenden geringen Luftdrucks bzw. Sauerstoffpartialdrucks zustande kommen. Es können dies leichte Symptome ab ca. 2000 m bis hin zu schweren Symptomen, wie Lungen- und/oder Hirnödemen, Thrombosen und Lungenembolien in größeren Höhen sein. Die Höhenkrankheit kann in ihrer schweren Form zum Tod führen. Die Betroffenen müssen so schnell wie möglich auf geringere Höhe verbracht werden. Als erste Hilfe bietet sich die Gabe von Sauerstoff oder der Einsatz einer hyperbaren Druckkammer aus aufblasbarem Kunststoff an.
Allgemeines :
Viele Menschen betreten, meist im Urlaub oder aus sportlichen Gründen, Regionen, in die früher nur sehr selten Menschen kamen. So werden z.B. Skiurlauber innerhalb von wenigen Minuten per Seilbahn oder einem Hubschrauber auf Höhen bis über 4000 m befördert. Die meisten dieser Menschen gehen ohne irgendeine Anpassung des Körpers in diese Höhe.
Oder Menschen fahren für wenige Wochen zum Trekking in für sie extreme Höhen, z.B. nach Nepal.
Oder man fliegt nach La Paz, dem Regierungssitz von Bolivien, mit 3658 m Höhe der höchstgelegene Regierungssitz der Welt.
Die Eisenbahn zwischen Lima (Peru) und La Oroya (Peru) in den Anden steigt auf fast 4500 m Höhe. Die meisten Reisenden müssen während der Reise mit Sauerstoff versorgt werden, der vom Personal verabreicht wird.
Auf dem Weg von China nach Lhasa in Tibet, der mittlerweile von vielen Touristen benutzt wird, kommt man über den Tangula-Pass, mit einer Höhe von rund 5300 m. Dieser Pass wird u.a. mit Linienbussen befahren.
Der Taglang La pas in Indien, zwischen Manali und Leh in Ladakh, mit einer Höhe von rund 5360m, ist der zweit höchste befahrbare Pas in der Welt.
Ab einer Höhe von ca. 2000 m ist mit den ersten Anzeichen der Höhenkrankheit zu rechnen. Die Gründe dafür liegen in einem verringerten Sauerstoffangebot, da der Luftdruck und damit der Sauerstoffpartialdruck mit der Höhe abnehmen.
Ursachen der Höhenkrankheit :
Man unterscheidet im Prinzip vier Zonen, in denen es aufgrund des Sauerstoffmangels zu unterschiedlichen Reaktionen des Organismus kommen kann. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese Bereiche als Mittelwerte anzusehen sind, da individuelle Dispositionen und/oder Akklimatisationen zu beträchtlichen Verschiebungen führen können.
In dem Bereich von Meereshöhe, also der Höhe 0 m, bis etwa 2 000 m Höhe werden die physischen und psychischen Funktionen des Menschen praktisch nicht beeinflusst. Sportliche und andere körperliche Höchstleistungen (Arbeit) sind daher nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt.
Dieser Bereich reicht von etwa 2 000 m Höhe bis etwa 4 000 m. Der erniedrigte Luftdruck mit dem verminderten Sauerstoffangebot führt bereits ohne körperliche Anstrengungen, also in Ruhe, zu einer Erhöhung von Herzfrequenz, Atemzeitvolumen, sowie vom Herzzeitvolumen. Außerdem vergrößert sich durch die zusätzliche Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) die Blutdichte. Bei Belastungen nehmen diese Werte deutlich mehr zu, als das auf Meereshöhe der Fall wäre. Die physische und psychische Leistungsfähigkeit ist deutlich reduziert.
Dieser Bereich erstreckt sich von einer Höhe von ca. 4 000 m bis zu ca. 7 000 m. In dieser Zone ist ohne Akklimatisation mit erheblichen Störungen, bis hin zu Bewusstlosigkeit und Tod zu rechnen. Die physische und psychische Leistungsfähigkeit ist erheblich reduziert. Auch die Entscheidungs- und Reaktionsfähigkeiten nehmen teilweise erheblich ab.
Alle unter Symptome genannten Reaktionen können in diesem Bereich auftreten.
Dieser Bereich beginnt etwa in einer Höhe von 7 000 m. In Bergsteigerkreisen wird auch von der Todeszone gesprochen. Ab 7 000 m Höhe wird in der Lunge, also in den Lungenbläschen, der kritische Sauerstoffpartialdruck von 30-35 mm Hg unterschritten. Unterhalb dieses Wertes ist kein ausreichender Gasaustausch (Diffusion) von der Lunge ins Blut und vom Blut in die Zellen mehr möglich. Dabei treten in der Regel in dieser Höhe sehr rasch die unter Symptome dargestellten lebensbedrohlichen Reaktionen ein. Ohne die Zufuhr von Sauerstoff oder den raschen Transport in eine niedrigere Höhe ist in der Regel mit dem Tod zu rechnen. Wie sehr aber derartige Reaktionen von individuellen Besonderheiten abhängen, zeigt das Beispiel des Südtiroler Bergsteigers Reinhold Messner, der ohne zusätzlichen Sauerstoff den Mount Everest (8 848 m) bestieg.
Der menschliche Organismus besitzt eine erstaunliche Fähigkeit, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. So steigt die Anzahl der Erythrozyten (rote Blutkörperchen), also der den Sauerstoff transportierenden Blutteilchen, in einer Höhe von 4 500 m bereits nach 2 Tagen um ca.10% an. Nach ca. 10 Tagen Aufenthalt ist die "Schnelle Anpassungsphase" für die Steigung der Erythrozytenzahl bereits abgeschlossen. Die Erhöhung der Erythrozytenzahl ist mit einer Erhöhung des Hämatokrits verbunden. Der Hämatokrit ist der Prozentanteil der festen Blutbestandteile, also der Erythrozyten, Thrombozyten (Blutplättchen) und Leukozyten (weiße Blutkörperchen) am Blutvolumen. Der Hämatokrit beträgt im Normalfall beim Mann 42-52% und bei der Frau 37-47%.
Ein erhöhter Hämatokrit bedingt zwar eine bessere Sauerstoffversorgung kann aber zu Blutflussproblemen führen. Das Risiko von Hirninfarkten, Herzinfarkten und Thrombosen steigt daher bei erhöhtem Hämatokrit an. Die erhöhte Erythrozytenzahl ist erforderlich, da z.B. in 5 000 m Höhe das Blut nur noch zu 75% mit Sauerstoff gesättigt wird, wobei die Sättigung in Meereshöhe rund 100% beträgt. Danach erfolgt ein langsamer, über Monate dauernder Prozess, bis ein Hämatokrit von ca. 70% erreicht ist.
Neben diesen Anpassungseffekten gibt es eine Reihe weiterer höhenbedingter Effekte. So nimmt in den Muskeln z.B. die Anzahl der Kapillaren, in denen der Gasaustausch zwischen Blut und Zellinneren stattfindet, zu, was den Austausch (Diffusion) des Sauerstoffs und Kohlendioxids zwischen dem Blut und den Zellen des Muskelgewebes verbessert. Innerhalb der Muskelzelle passen sich außerdem verschiedene Enzymsysteme, insbesondere die der Mitochondrien, dem erniedrigten Sauerstoffangebot an.
Symptome
Wie erwähnt, ist ab einer Höhe von ca. 2 000 m mit den ersten Anzeichen der Höhenkrankheit zu rechnen.
Dabei lassen sich die Symptome in drei Stufen unterteilen. Es ist unbedingt zu beachten, dass schwere Formen der Höhenkrankheit ohne Hilfe und/oder das Verbringen in geringere Höhen, bzw. ohne die Gabe von Sauerstoff sehr schnell zum Tod führen können.
Dabei ist es bedenkenswert, dass von den in Nepal bekannt gewordenen Todesfällen aufgrund der Höhenkrankheit etwa 80 % in organisierten Reisegruppen vorkamen, obwohl insgesamt nur ca. 40 % der Nepaltrekker sich in einer solchen Reisegruppe befanden. Diese Zahl ist möglicherweise mit dem Druck einer Gruppe und der Angst als Versager dazustehen, zu erklären.
Achtung
Da die Höhenkrankheit völlig unabhängig vom Alter und dem sportlichen Trainingszustand auftreten kann, ist jedes "Heldentum" zu vermeiden und jedes Anzeichen auf die Höhenkrankheit ernst zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Siehe hierzu Prophylaxe und Therapie.
Kopfschmerzen,
Übelkeit,
Allgemeines Unwohlsein,
Leistungsabfall,
Puls um mehr als 20 % beschleunigt
- Den weiteren Aufstieg abbrechen und, falls möglich, eine Rast einlegen.
- Ansonsten zum nächsten Rastplatz absteigen.
- Nachtruhe abwarten.
- Eventuell medikamentöse Behandlung der Kopfschmerzen mit Azetazolamid.
- Sauerstoffgabe.
Sollten die Symptome nach einer Nacht abgeklungen sein, kann ein langsamer weiterer Aufstieg riskiert bzw. vorgenommen werden.
Schwere, dauerhafte Kopfschmerzen,
schwere Übelkeit und Erbrechen,
starker Leistungsabfall
, völlige Antriebslosigkeit,
Atemnot und Herzrasen, auch in Ruhe
nächtliche Schlaflosigkeit,
trockener, teilweise starker Husten,
Schwindelgefühle mit Gangunsicherheit,
dunkler Urin mit weniger als 500 ml pro Tag
- Die betroffene Person ist als schwer krank anzusehen.
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Ohne Maßnahmen ist sogar mit dem Tod zu rechnen.
Daher:
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sofortige Gabe von Sauerstoff
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Abstieg um mindestens 1 000 Höhenmeter; auch bei Nacht.
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Falls vorhanden, Beatmung mit Sauerstoff und Verbringen in einem speziellen Überdrucksack (hyperbare Kammer), in dem mit Hilfe einer Handpumpe ein Überdruck erzeugt werden kann.
Schwerste Kopfschmerzen,
völliger Leistungsabfall,
Verwirrtheit,
schwerer, ständiger Husten,
Herzrasen,
keine Urinausscheidung
- Es besteht akute Lebensgefahr.
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Der betroffenen Person muss unbedingt geholfen werden. Sofortiges Verbringen in niedrigere Höhe, am Besten um mindestens 1 000 m, aber auch bereits einige 100 m können zumindest lindernd wirken.
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Zusätzlich, oder sofern ein Abtransport nicht möglich ist, Sauerstoffbeatmung. Und falls vorhanden, Verbringen in eine hyperbare Kammer.
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Sollte ein Arzt zur Stelle sein, so kann zur Verbesserung der Sauerstoffbilanz z.B. Nifedipin verabreicht werden. Zur Behandlung von Hirn- und/oder Lungenödemen kann Dexamethason, wie z.B. Fortecortin verabreicht werden.
Der Überdrucksack
Der Einsatz des Überdrucksacks (= hyperbare Kammer) kann nur als vorübergehende Hilfsmaßnahme angesehen werden und darf keinesfalls zu einem falschen Sicherheitsgefühl verführen. Die ständige Pumparbeit - vor allem in großen Höhen - ist sehr belastend für die Helfer, außerdem bereitet der CO2-Abfluss aus dem Sack Schwierigkeiten. Er ist daher nur als eine Erste-Hilfe-Maßnahme anzusehen. Die in dem Überdrucksack für den Erkrankten erzeugte "Höhe" ist in der folgenden Tabelle dargestellt.
4 000 Meter wird 1 700 Meter
5 000 Meter wird 2 500
Meter
6 000 Meter wird 3 000
Meter
7 000 Meter wird 3 900
Meter
8 000 Meter wird 4 500
Meter
Akklimatisationstaktik
Für das Vorhaben, größere Höhen aufzusuchen, gelten die folgenden Grundregeln, die unbedingt eingehalten werden müssen, um gefährliche bzw. lebensgefährliche Situationen zu vermeiden:
Dabei herrscht allerdings in der Wissenschaft keine verbindliche Norm, was das konkret bedeutet. Aber mit 300 bis maximal 500 Höhenmetern pro Tag liegt man sicherlich auf der sicheren Seite.
So tief wie möglich schlafen, also abends möglichst ein Stück absteigen. Es kann sehr sinnvoll sein, in ca. 3 000 m für einige Tage eine Ruhepause einzulegen.
Auch über den Durst hinaus.
Absolutes Alkoholverbot
Infektionen und andere Erkrankungen vorher auskurieren.
Keine Medikamente einnehmen, auch keine Schlafmittel.
Kohlenhydrathaltige Nahrung, da diese weniger Sauerstoff verbrauchen als Fette und Eiweiße.
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Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass das Risiko, an der Höhenkrankheit zu erkranken unabhängig vom Alter - ausgenommen Kleinkinder mit einem erhöhten Risiko - oder dem Trainingszustand (Sportler, Nichtsportler) ist. Auch Raucher haben erstaunlicherweise kein höheres Risiko als Nichtraucher.
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